top of page

Deutschland wird älter!

p-romanow
24. Aug.
5 Min. Lesezeit
Eine bildliche Darstellung der unterschiedlichen Lebensphasen im Alter, die die Entwicklung von der Jugend bis zur Hochaltrigkeit zeigt.
Eine bildliche Darstellung der unterschiedlichen Lebensphasen im Alter, die die Entwicklung von der Jugend bis zur Hochaltrigkeit zeigt.

Deutschland wird älter, aber was bedeutet das eigentlich für unser tägliches Leben?



Deutschland befindet sich mitten in einem deutlichen demografischen Wandel.

Ende 2025 lebten rund 83,5 Millionen Menschen in Deutschland. Gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen kontinuierlich zu.


Allein innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Menschen ab 60 Jahren um rund 387.000. Bereits 2024 lebten rund 19 Millionen Menschen ab 65 Jahren** in Deutschland.


Zum Vergleich: 1991waren es etwa 12 Millionen.

Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung wird die Zahl der Menschen ab 67 Jahren bis Ende der 2030er-Jahre auf mindestens 20,5 Millionen steigen. Deutschland wird also nicht nur älter, sondern auch die Zahl der Menschen, die sehr lange im Ruhestand leben, wird deutlich größer.


Doch was bedeutet „alt“ eigentlich?


Alter beginnt nicht automatisch mit 60, 65 oder 70 Jahren. Menschen altern unterschiedlich. Ein 70-Jähriger kann körperlich aktiver sein als ein anderer Mensch mit 60. Manche Menschen sind mit 80 Jahren noch vollkommen selbstständig, fahren Auto, reisen, treiben Sport und führen ihren Haushalt ohne Unterstützung. Andere benötigen bereits deutlich früher Hilfe.


In der Gerontologie wird deshalb häufig zwischen verschiedenen Altersphasen unterschieden.


Die allgemein anerkannten Altersphasen nach gerontologischen Definitionen:

  • 60–74 Jahre: frühes Alter

  • 75–84 Jahre: höheres Alter

  • 85–89 Jahre: hohes Alter

  • 90–99 Jahre: sehr hohes Alter / Hochaltrigkeit

  • 100 Jahre und älter: Langlebige / Hundertjährige (Centenarians)


Diese Grenzen sind keine medizinischen Gesetze. Sie dienen vor allem dazu, unterschiedliche Lebenssituationen und Risiken besser zu verstehen.


Mit zunehmendem Alter verändert sich der menschliche Körper:


- Muskelmasse und Muskelkraft können abnehmen,

- die Knochen werden empfindlicher

- die Beweglichkeit kann eingeschränkt werden

- der Körper benötigt häufig länger, um sich nach Belastungen oder Erkrankungen zu regenerieren.

- Auch Sehen und Hören können nachlassen

- Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig auftreten.


Das bedeutet aber nicht, dass ein älterer Mensch automatisch krank ist!

Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts zeigen genau diese interessante Kombination: Viele ältere Menschen leben mit mehreren chronischen Erkrankungen und bewerten ihren eigenen Gesundheitszustand trotzdem als gut oder sehr gut. In einer bundesweiten Untersuchung hatten 69,2 % der Menschen ab 65 Jahren mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig. Gleichzeitig bezeichneten 52 % ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut.

Auch zwischen Frauen und Männern gibt es deutliche Unterschiede. Frauen leben statistisch länger als Männer.


Nach den aktuellsten Daten von Destatis liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt bei 83,6 Jahren für Frauen und 79,1 Jahren für Männer.

Damit wurden 2025 neue Höchstwerte erreicht.

Je höher das Alter, desto größer wird deshalb auch der Anteil der Frauen. Besonders deutlich zeigt sich dieser Unterschied bei den Hochbetagten.

Gleichzeitig verändert sich mit zunehmendem Alter häufig auch die Wohnsituation. 2025 bestanden 26 % aller Privathaushalte in Deutschland ausschließlich aus Menschen ab 65 Jahren. Bei Menschen ab 65 Jahren lebt bereits mehr als jede dritte Person allein. Bei Menschen ab 85 Jahren sind es sogar rund 56 %.

Allein zu leben bedeutet natürlich nicht automatisch Einsamkeit.


Viele ältere Menschen genießen ihre Unabhängigkeit und möchten bewusst alleine wohnen. Trotzdem kann das hohe Alter dazu führen, dass alltägliche Aufgaben schwieriger werden.


Einkaufen. Kochen. Putzen. Wäsche. Treppen. Arzttermine. Spaziergänge. Behördengänge. Organisation des Tages. Oder einfach jemand, mit dem man sich unterhalten kann.


Besonders interessant ist deshalb die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit.

Nach der letzten vollständigen Pflegestatistik waren Ende 2023 in Deutschland rund 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig.


Rund 86 % wurden zu Hause versorgt. Und das entspricht etwa 4,9 Millionen Menschen. Ein großer Teil dieser Versorgung wurde dabei durch Angehörige übernommen.


Das ist eine entscheidende Zahl.


Denn sie zeigt, dass die Realität der Pflege und Betreuung in Deutschland bereits heute überwiegend zu Hause stattfindet.


Und genau hier entsteht eine große Herausforderung für Familien.


Viele Angehörige arbeiten selbst, haben Kinder, leben in einer anderen Stadt oder sind aufgrund ihres eigenen Alters körperlich nicht mehr in der Lage, jeden Tag mehrere Stunden Unterstützung zu leisten.


Gleichzeitig möchten viele ältere Menschen nicht in eine fremde Umgebung umziehen.


- Sie möchten in ihrem Haus bleiben.

- In ihrer Wohnung.

- In ihrem Bett.

- In ihrer vertrauten Nachbarschaft.

- Mit ihren eigenen Möbeln, ihren eigenen Gewohnheiten und ihrem eigenen Tagesrhythmus.


Und genau diese Gewohnheiten sollte man im Alter nicht unterschätzen.

Für einen älteren Menschen kann es sehr wichtig sein, wann er frühstückt, wann er seine Zeitung liest, wann er spazieren geht, wann er Mittag isst, wann er sich ausruht oder wann er schlafen geht. Was für einen Außenstehenden wie eine Kleinigkeit aussieht, kann für einen älteren Menschen ein wichtiger Bestandteil von Sicherheit und Selbstständigkeit sein.


Deshalb bedeutet gute Betreuung nicht, einem Menschen seinen Tagesablauf abzunehmen.


Gute Betreuung bedeutet, den Menschen kennenzulernen.

Seine Gewohnheiten.

Seine Vorlieben.

Seine Abneigungen.

Seine Fähigkeiten.

Seine Grenzen.

Und vor allem seinen Wunsch nach Selbstbestimmung.


Mit zunehmendem Alter wird auch das Thema Sicherheit wichtiger. Stürze können schwerwiegende Folgen haben. Bewegungsmangel kann zum weiteren Verlust von Muskelkraft führen. Unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann insbesondere bei älteren Menschen problematisch werden.


Auch Veränderungen beim Essen, Schlafen, Verhalten oder Gedächtnis können Hinweise darauf sein, dass sich etwas verändert hat und genauer beobachtet werden sollte.


Dabei darf man aber einen entscheidenden Fehler nicht machen:

Nicht jede Veränderung im Alter ist automatisch eine Krankheit.


Und nicht jeder ältere Mensch braucht Pflege.


Manche Menschen benötigen medizinische Versorgung. Andere brauchen hauptsächlich Unterstützung im Haushalt. Wieder andere benötigen Begleitung, Gesellschaft, Hilfe bei Einkäufen oder Unterstützung bei der Organisation ihres Alltags.


Auch Demenz wird in einer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lebten 2021 rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland.


Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich.

Die Alterung der Bevölkerung bedeutet deshalb nicht nur mehr Menschen im Ruhestand.


Sie bedeutet auch mehr Familien, die irgendwann vor der Frage stehen:

Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Mutter, unser Vater, unsere Großmutter oder unser Großvater möglichst lange sicher und selbstbestimmt zu Hause leben kann?


Diese Frage wird in Zukunft noch wichtiger werden.


Denn Destatis geht davon aus, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland langfristig weiter steigen wird. Nach aktuellen Vorausberechnungen könnte sie bis 2055 auf rund 7,6 Millionen Menschen anwachsen.


Das bedeutet nicht, dass jeder ältere Mensch pflegebedürftig wird.


Es bedeutet aber, dass unsere Gesellschaft neue Lösungen für Betreuung, Unterstützung und Entlastung von Familien braucht.


Und genau an diesem Punkt beginnt die Arbeit von LebensHüter.

Wir sehen Alter nicht als Krankheit.

Wir sehen einen älteren Menschen nicht nur als Pflegefall.

Wir sehen einen Menschen mit einer eigenen Geschichte, eigenen Gewohnheiten, eigenen Bedürfnissen und dem Wunsch, so lange wie möglich selbstbestimmt zu leben.


Unser Ziel ist deshalb nicht, einem Menschen sein Leben abzunehmen.

Unser Ziel ist es, dort Unterstützung zu geben, wo sie tatsächlich gebraucht wird, damit möglichst viel Selbstständigkeit erhalten bleibt.


Denn manchmal braucht ein Mensch keine komplette Pflege.


Manchmal braucht er jemanden, der beim Einkaufen hilft.


Jemanden, der mit ihm spazieren geht.

Jemanden, der den Haushalt unterstützt.

Jemanden, der ihn zu einem Termin begleitet.

Jemanden, der gemeinsam mit ihm kocht.

Oder manchmal einfach jemanden, der da ist.


Alt werden bedeutet nicht, dass das eigene Leben aufhört.

Es bedeutet, dass sich manche Dinge verändern.


Und die entscheidende Frage ist nicht nur, wie lange wir leben.

Sondern wie wir leben möchten, wenn wir älter werden.




Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Robert Koch-Institut (RKI), aktuelle Veröffentlichungen 2025/2026.

 
 
 

Kommentare


bottom of page